Die beste Pflanze schenkt dir nächstes Jahr gratis Saatgut

Anfang September: die Bohnen hängen prall und beginnen zu rascheln. Die Tomaten sind so reif, dass sie platzen, wenn man zu lange wartet. Der Kopfsalat schiesst in die Höhe und bildet einen Stängel — fast wie ein kleines Bäumchen. Für viele ist das das Ende der Saison. Für die Pflanzen selbst ist es ein Anfang.

Lass diese Woche eine der besten Pflanzen stehen. Nicht ernten, nicht kompostieren — stehen lassen. Sie macht gerade etwas Wichtiges: sie reift ihr Saatgut fürs nächste Jahr.


Samenfest — was das bedeutet und warum es wichtig ist

Nicht jedes Saatgut eignet sich zur Eigengewinnung. Bei handelsüblichem Gemüse stösst man schnell auf sogenannte F1-Hybride — Kreuzungen aus zwei Elternsorten, die besonders gleichmässig wachsen, aber ihre Eigenschaften nicht zuverlässig weitergeben. Die Nachkommen fallen oft uneinheitlich aus.

Anders bei samenfestem Saatgut: Diese Sorten haben sich über viele Generationen bewährt. Wer jedes Jahr aus den kräftigsten, schmackhaftesten Früchten sät, gewinnt mit der Zeit eine Sorte, die immer besser zum eigenen Standort passt — zum Boden, zum Klima, zur eigenen Gartenpraxis.

Das ist kein Zufall, sondern ein Grundprinzip der Permakultur: vorhandene Ressourcen nutzen, Kreisläufe schliessen.


Vier Arten, mit denen der Einstieg einfach gelingt

Bohnen und Erbsen — der einfachste Weg

Bohnen und Erbsen sind ideal für alle, die zum ersten Mal Saatgut gewinnen. Die Früchte machen von selbst sichtbar, wann sie bereit sind: Die Hülsen werden braun, trocknen an der Pflanze ein und rascheln, wenn man sie schüttelt.

So geht es:
– Eine kräftige, gesunde Pflanze mit den schönsten Hülsen auswählen und stehen lassen
– Hülsen an der Pflanze vollständig trocknen lassen — bei Regenwetter lieber ins Trockene hängen
– Körner aus den Hülsen lösen und auf ein sauberes Tuch legen
– Noch einige Tage nachtrocknen lassen, bevor sie ins Glas kommen

Tomaten — ein Schritt extra lohnt sich

Tomaten sind selbstbefruchtend und damit hervorragend geeignet. Die Tomatensamen sitzen jedoch in einer Gallerte, die die Keimung hemmt — ein kurzer Aufbereitungsschritt löst das.

So geht es:
– Eine vollreife, möglichst überreife Tomate der Lieblingsorte auswählen
– Samen mit der Gallerte in ein kleines Glas oder eine Schüssel geben
– Etwas Wasser dazugeben, leicht abdecken und 2 bis 3 Tage bei Raumtemperatur stehen lassen — es bildet sich etwas Schimmel oder eine Trübung, das ist normal
– Samen abspülen: die keimfähigen Samen sinken auf den Boden, die tauben schwimmen oben
– Gute Samen abgiessen, auf Backpapier ausbreiten und vollständig trocknen — das dauert rund eine Woche
– Trocken und gut beschriftet aufbewahren

Salat — schnell, wenn man den Moment nicht verpasst

Salat schiesst im Sommer schnell in die Blüte. Genau das ist der Moment fürs Saatgut. Die dünnen Stängel tragen flauschige Samenköpfe, ähnlich wie beim Löwenzahn.

So geht es:
– Einen Samenstand stehen lassen, bis die Köpfchen flaumig und leicht grau werden
– Den Stängel abschneiden und in eine Papiertüte stecken — kopfüber, damit reife Samen hineinfallen
– Tüte ein paar Tage hängen lassen, dann leicht schütteln
– Samen herausnehmen, kurz nachtrocknen lassen und beschriften


Lagern — trocken, dunkel, beschriftet

Selbst gewonnenes Saatgut muss vor dem Einlagern vollständig trocken sein. Feuchtigkeit ist der Hauptfeind: Schimmel macht Saatgut in kurzer Zeit unbrauchbar.

Was sich bewährt:
– Papiertüten oder kleine Gläser mit Deckel
– Kühl, dunkel und trocken — ein Küchenschrank, eine Schublade, ein kühles Vorratszimmer
– Immer beschriften: Sorte, Jahr, eventuell eine kurze Notiz zur Pflanze

Bohnen und Erbsen halten bei guten Bedingungen etwa zwei bis vier Jahre. Tomatensamen etwas länger, Salat eher kürzer — jeweils je nach Lagerung. Eine Keimprobe auf feuchtem Küchenpapier zeigt im Frühling, ob das Saatgut noch in Ordnung ist.


Der Kreislauf, der den Garten selbstständiger macht

Jede selbst gewonnene Generation ist ein kleiner Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Das Saatgut aus dem eigenen Garten kostet nichts, passt sich über Jahre an den eigenen Standort an und trägt die Geschichte dieses Gartens in sich.

In der Schweiz gibt es mit ProSpecieRara eine Organisation, die samenfeste und alte Sorten systematisch erhält — über 1700 Sorten werden von ehrenamtlichen Sortenbetreuer:innen vermehrt. Das ist ein anderer Massstab als der Hausgarten. Aber das Prinzip ist dasselbe: Kreisläufe offen halten, Vielfalt erhalten, Wissen weitergeben.


Jetzt anfangen — mit einer einzigen Pflanze

Du brauchst keinen Kurs, keinen Spezialapparat und keine grosse Planung. Du brauchst eine Pflanze, die du stehen lässt, und ein Glas oder eine Papiertüte.

Lass diese Woche eine Bohnenpflanze ausreifen. Oder heb die schönste Tomate auf und press ein paar Samen heraus. Das ist genug für einen Anfang.

Wer mehr übers Gärtnern im Kreislauf erfahren möchte — sei es Boden, Saatgut, Beetplanung oder Selbstversorgung — findet das Kursprogramm von PermaZwerg unter permazwerg.ch/kursprogramm.


Kurzvariante

Anfang September ist die beste Zeit, um Saatgut aus dem eigenen Garten zu gewinnen. Bohnen, Erbsen, Tomaten und Salat eignen sich besonders gut — mit wenigen Handgriffen, ohne Spezialgerät. Was man braucht: eine kräftige Pflanze stehen lassen, die Samen richtig trocknen und klar beschriften. Nächstes Jahr spart man den Kauf und hat Sorten, die schon zum eigenen Garten passen.

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Neugierig aufs Gärtnern im Kreislauf? Kursprogramm von PermaZwerg unter permazwerg.ch/kursprogramm — oder einfach mit einer einzigen Bohnenpflanze anfangen.

Bild- oder Designhinweis

Titelbild: Hände, die reife Bohnenhülsen halten — braun, trocken, leicht geöffnet. Naturlicht, warme Erdtöne. Alternativ: kleine beschriftete Papiertüten oder Gläser mit Samen, auf einem Holztisch, natürliches Herbstlicht. Weitere Bildideen: Tomatensamen auf Backpapier zum Trocknen ausgebreitet; Salat-Samenstand vor dem Abschneiden; Nahaufnahme eines Glases mit kleinen Samen und handgeschriebener Beschriftung. Kein Studiofilter, kein Weisshintergrund — Praxisbezug und Naturnähe.