Jeden Morgen landet die Bananenschale im Kehrichtsack. Der Kaffeesatz. Die Salatblätter, die niemand mehr essen wollte. Dabei wäre genau dieses Material der wertvollste Rohstoff für deinen Garten. Kompost ist kein Abfall — er ist der Kreislauf, der den Boden trägt. Wer Kompost selbst herstellt, schliesst eine Lücke, die in jedem Garten offensteht: den Rückweg der Nährstoffe in die Erde. Genau das ist auch ein Kerngedanke der Permakultur — kein Abfall, nur Ressourcen am falschen Ort. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag A1 Was ist Permakultur.


Schritt 1: Was gehört rein — und was nicht?

Die erste Frage beim Kompostieren ist meistens: Was kann ich eigentlich alles draufwerfen?

Geeignete Materialien:

  • Rohe Küchenabfälle (Gemüseschalen, Kaffeesatz, Teebeutel ohne Plastik, Eierschalen)
  • Rasenschnitt und frische Pflanzenstiele
  • Laub (am besten zerkleinert)
  • Zerknülltes, zerissenes Papier und Karton (unbedruckt oder mit Zeilendruck)
  • Gartenabfälle wie abgeblühte Stauden, Krautpflanzen

Nicht geeignet:

  • Fleisch, Fisch und gekochte Essensreste (locken Schädlinge an)
  • Kranke Pflanzen (Pilzkrankheiten, Schorf, Welke)
  • Unkrautsamen — wenn der Kompost nicht heiss genug wird, keimen sie später im Garten
  • Zitrusschalen und Zwiebeln in grossen Mengen (hemmen Bodenorganismen)

Das wichtigste Prinzip ist das Verhältnis von «braun» zu «grün»: Kohlenstoffreiche Materialien (Laub, Stroh, Papier, Holzschnitzel) wechseln sich ab mit stickstoffreichen Materialien (frischer Rasenschnitt, Küchenabfälle, grüne Pflanzenreste). Dieses Verhältnis hält den Kompost lebendig und gut riechend.


Schritt 2: Standort und Aufbau

Wo? Der ideale Kompostplatz ist halbschattig, steht auf gewachsenem Boden (kein Beton — die Erdwürmer sollen von unten einwandern können) und ist gut erreichbar. Platz für einen Kompost braucht es weniger als oft gedacht: Ein einfaches Holzgestell aus Latten oder ein Drahtkorb reichen vollkommen aus.

Wie gross? Mindestgrösse: ungefähr 1 m³. Kleinere Haufen werden nicht heiss genug, um richtig zu reifen. Wer viel Gartenmaterial hat, legt zwei oder drei Haufen an, die abwechselnd befüllt werden.

Offener Haufen oder geschlossene Tonne?

  • Offener Komposthaufen: geeignet für grössere Gärten, atmet gut, Erdwürmer wandern leichter ein
  • Geschlossene Komposttonne: sinnvoll in kleinen Gärten oder wenn du Schädlinge (Ratten) vermeiden willst; funktioniert, braucht aber mehr Aufmerksamkeit beim Belüften

Schichtprinzip: Grobes Material (Äste, Stroh) kommt unten, feines oben. Das sorgt für Durchlüftung von Anfang an.


Schritt 3: Was Kompost zum Reifen braucht

Kompost braucht vier Dinge: Feuchtigkeit, Luft, Wärme und Zeit.

  • Feuchtigkeit: Der Haufen soll sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm — feucht, aber nicht tropfnass. Im Sommer gelegentlich angiessen, bei Starkregen abdecken.
  • Luft: Wenden beschleunigt den Prozess deutlich, ist aber kein Muss. Wer regelmässig wendet (alle 4–6 Wochen), hat schneller fertigen Kompost.
  • Wärme: Je wärmer der Standort, desto aktiver die Mikroorganismen. Im Inneren eines aktiven Komposthaufens kann es bis zu 60–70°C werden.
  • Zeit: Kaltkompost braucht 6–12 Monate. Wer regelmässig wendet und das Material gut mischt (Warmkompost), kann in 4–8 Wochen fertigen Kompost haben.

Schritt 4: Wann ist der Kompost fertig?

Reifen Kompost erkennst du an zwei Dingen:

  1. Geruch: Er riecht nach Erde — tief, würzig, angenehm. Kein fauliger oder ammoniakhaltiger Geruch.
  2. Aussehen: Die ursprünglichen Materialien sind nicht mehr erkennbar. Der Kompost ist dunkel, krümelig und homogen.

Wie verwenden?

  • Als Bodenbedeckung: 3–5 cm dünn auf Beete aufbringen (nicht eingraben)
  • Als Pflanzerde: 50/50 mit Gartenerde mischen
  • Eingearbeitet vor einer Neupflanzung

Noch nicht ganz fertiger Kompost (man erkennt noch einzelne Teile) eignet sich gut als Mulchmaterial — er reift auf dem Beet weiter.


Häufige Fehler und wie du sie behebst

Kompost riecht faul oder nach Ammoniak: Zu viel stickstoffreiches Material, zu feucht oder zu wenig Luft. Mische trockenes, kohlenstoffreiches Material ein (Stroh, Karton, Laub) und steche den Haufen durch.

Kompost trocknet aus und tut sich nichts: Zu wenig Feuchtigkeit oder zu viel kohlenstoffreiches Material. Angiessen und frisches Grünmaterial einmischen.

Schädlinge (Mäuse, Ratten): Fast immer wegen Fleisch, Fisch oder gekochter Reste im Haufen. Diese Materialien konsequent weglassen. Im Zweifelsfall auf eine geschlossene Tonne wechseln.

Grosses Beruhigungswort: Kompost ist sehr verzeihend. Das System reguliert sich oft von selbst, wenn du etwas Zeit und etwas Aufmerksamkeit mitbringst.


Der erste Schritt ist der leichteste

Kompost selber machen ist das niederschwelligste Permakultur-Projekt, das es gibt — kein grosses Budget, kein spezielles Wissen, keine perfekte Ausrüstung. Nur ein Fleck Erde, ein paar Küchenschalen und etwas Geduld. Wenn du einmal siehst, wie aus Schalen und Schnittgut dunkle, duftende Erde wird, wirst du nie mehr etwas anderes damit machen wollen.

Für den nächsten Schritt nach dem Kompost — den Aufbau eines noch aktiveren Bodens — schau dir unseren Beitrag zu B2 Pflanzenkohle und Terra Preta herstellen an.