Jetzt Gehölze pflanzen: Obstbäume und Sträucher im Herbst setzen

Die ehrlichste Investition in den Garten von nächstem Jahr macht man nicht im Frühling, sondern jetzt: einen Obstbaum, einen Beerenstrauch oder eine Hecke setzen — solange der Boden noch offen ist.

Der Herbst ist für die meisten winterharten Bäume und Sträucher die beste Pflanzzeit. Der Grund ist einfach: Der Boden ist noch warm vom Sommer, so dass neue Wurzeln wachsen können. Die Pflanze muss gleichzeitig keine Blätter und Blüten versorgen und steckt ihre ganze Kraft ins Anwurzeln. Herbstniederschläge übernehmen einen Grossteil des Giessens. Bis zum Frühling ist der Baum verankert und startet mit einem echten Vorsprung in den Austrieb.


Das Fenster nutzen — solange es offen ist

Das Herbst-Pflanzfenster bleibt offen, solange der Boden aufnahmefähig und nicht dauerhaft durchgefroren ist. Ein leichter Nachtfrost ist kein Problem. Ein hart durchgefrorener Boden beendet die Pflanzzeit.

Im Berner Oberland, mit seinen kühleren und teils höheren Lagen, friert der Boden tendenziell früher durch als im Flachland. Wer noch pflanzen möchte, schaut jetzt auf die Wetterprognose — und handelt lieber diese Woche als erst in vier Wochen.

Was jetzt problemlos geht: Apfel, Birne, Pflaume, Zwetschge, Mirabelle und Kirsche können jetzt gepflanzt werden. Ebenso die meisten Beerensträucher (Johannisbeere, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere) und einheimische Hecken-Sträucher. Wurzelnackte Obstbäume setzt man sogar idealerweise spät im Herbst, wenn die Pflanze vollständig in Ruhe ist.

Was auf den Frühling wartet: Frostempfindliche Arten wie Aprikose und Pfirsich pflanzt man besser erst im Frühling. Immergrüne Gehölze sind im Herbst anspruchsvoller, weil sie auch im Winter Wasser verdunsten; wer sie noch setzen möchte, tut das möglichst früh im Herbst.


Die richtige Sorte: robust, regional, langlebig

Einen Baum pflanzt man nicht für den nächsten Sommer, sondern für zwanzig Jahre oder länger. Das macht die Sortenwahl zu einer der wichtigsten Entscheidungen.

Hier lohnt sich ein permakultureller Blick: Robuste, krankheitswiderstandsfähige und regional angepasste Sorten haben sich über lange Zeit an lokale Bedingungen gewöhnt. In der Schweiz sind über 2500 Obstsorten bekannt. Fachstellen wie Fructus haben besonders krankheitsrobuste Sorten zusammengestellt — ein guter Ausgangspunkt, wenn du dich fragst, welche Sorte zu deinem Standort passt.

Besonders empfehlenswert sind Hochstamm-Obstbäume: Sie sind nicht nur fruchtbar, sondern auch wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere. Hochstämmer gehören zu den prägenden Elementen der Schweizer Kulturlandschaft — wer einen setzt, trägt etwas zur gewachsenen Landschaft des Berner Oberlands bei. Das ist keine Pflicht, sondern eine Einladung.

Ein Hinweis für Balkon und Terrasse: Wer keinen Gartenboden hat, ist bei diesem Thema nicht ganz aussen vor. Beerensträucher und kleine Zwergobst- oder Säulenformen gedeihen auch im grossen Kübel — sie brauchen allerdings regelmässige Pflege und ausreichend Substrat.


Richtig pflanzen: die wichtigsten Punkte

Ein paar Grundsätze machen den Unterschied zwischen einem Baum, der anwächst, und einem, der kämpft.

Pflanzloch: Rund ein Drittel grösser graben als der Wurzelballen. Oberboden und Unterboden getrennt lagern und in der richtigen Reihenfolge wieder einfüllen.

Veredelungsstelle: Bei veredelten Obstbäumen muss die Veredelungsstelle deutlich über dem Erdniveau bleiben — eine Handbreit, als grobe Orientierung rund 10 Zentimeter. Wer sie eingräbt, verliert die Vorteile der Veredelung.

Pflanzpfahl: Den Pflanzpfahl vor dem Einsetzen des Baumes einschlagen, entgegen der Hauptwindrichtung (meist West). So werden keine Wurzeln verletzt.

Wühlmausschutz: In Lagen mit Wühlmäusen schützt ein engmaschiges Drahtgitter (Sechskantgeflecht) die Wurzeln.

Angiessen: Kräftig angiessen und eine Giessmulde formen, damit das Wasser dort bleibt, wo es gebraucht wird.

Mulch: Eine Mulchschicht nach dem Pflanzen schützt den Wurzelballen vor Frosteinbrüchen. Junge Stämme frostempfindlicher Arten können zusätzlich mit Vlies oder Reisig geschützt werden.


Ein Baum für Jahrzehnte

Gehölze sind das langlebige Gerüst des Gartens. Eine Entscheidung, die man einmal trifft — und von der man Jahrzehnte profitiert. Essbare Landschaft und Lebensraum in einem.

Schau diese Woche auf den Boden und die Prognose. Solange die Erde offen ist, kannst du noch pflanzen. Und wenn du pflanzt: eine robuste, regional angepasste Sorte, die dir und der Landschaft lange Freude macht.