Herbstlaub ist kein Abfall — es ist ein Rohstoff
Bevor du den Grünabfallsack füllst: Das Laub, das du gerade zusammenrechst, ist die kostenlose Winterdecke, nach der dein Boden verlangt.
Ende September beginnt im Berner Oberland der grosse Laubfall. Viele greifen reflexartig zum Rechen, füllen Sack für Sack und bringen das Laub weg. Das ist verständlich — aber es ist schade. Was aussieht wie Arbeit und Abfall, ist in Wirklichkeit ein Rohstoff: Mulch, Kompostmaterial und Winterquartier in einem.
Drei Wege, Herbstlaub im Garten zu behalten
1. Als Mulchschicht auf Beete und unter Sträucher
Eine lockere Laubschicht — fünf bis zehn Zentimeter — auf abgeernteten Beeten und rund um Sträucher und Obstbäume schützt den Boden vor Austrocknung, Frost und Erosion. Beim Verrotten gibt das Laub Nährstoffe ab und verbessert die Bodenstruktur. Beikraut hat es schwerer.
Das Prinzip «Boden nie nackt», das wir in KW 37 mit Gründüngung und Mulch angeschaut haben, lässt sich jetzt kostenlos weiterleben: Das Laub liegt bereits da. Einfach hinstreuen, kurz andrücken — fertig.
2. Als Laubkompost für nächstes Jahr
Laub allein verrottet langsam — es enthält viel Kohlenstoff, aber wenig Stickstoff. Mischt man es mit stickstoffreichem Material — Rasenschnitt, Küchenabfälle, frische Grünreste — kommt der Prozess in Gang. Als Faustregel: ungefähr zwei Teile Laub auf einen Teil Grünmaterial.
Wer keinen Komposter hat, kann Laub in einem Drahtgitter-Laubsack locker aufschichten. Nach ein bis zwei Jahren entsteht dunkler, krümeliger Humus — der beste Bodenverbesserer für nächste Saison.
3. Als Winterquartier für Igel und Insekten
Ein Laubhaufen an einer wind- und schattengeschützten Ecke — locker durchsetzt mit ein paar Ästen, damit Hohlräume bleiben — ist ein wertvolles Winterquartier für Igel, Kröten und überwinternde Insekten. Je grösser der Haufen, desto besser die Isolierwirkung.
Wichtig: Den Laubhaufen an einer Stelle anlegen, die bis weit in den Frühling ungestört bleibt — nicht dort, wo später gehäckselt oder der Rasenmäher fährt.
Ein schönes Projekt für Familien: gemeinsam Laub rechen, Haufen aufschichten, Äste einfügen. Und im nächsten Frühjahr nachschauen, ob jemand eingezogen ist.
Welches Laub gehört wohin?
Nicht jedes Blatt taugt gleich gut als Mulch auf Gemüsebeeten:
Gut geeignet als Mulch auf Beeten:
Weiches, dünn strukturiertes Laub verrottet rasch: Obstbäume, Haselnuss, Linde, Buche, Ahorn.
Besser in Kompost, unter Gehölze oder auf Wege:
Hartes, gerbstoffreiches Laub — Eiche, Walnuss, Kastanie — verrottet deutlich langsamer. Am besten zerkleinert (z.B. mit dem Rasenmäher überfahren) und gut mit Rasenschnitt gemischt, oder unter Hecken, Rhododendren und auf Wege streuen.
Zu Walnusslaub: Es enthält Gerbstoffe; die genaue Wirkung auf den Boden ist nicht abschliessend geklärt. Praktischer Rat: sparsam, zerkleinert und gemischt verwenden — das passt.
Was freigeräumt werden sollte
Rasen, Terrassen und Wege lieber freirechen: Eine dichte Laubschicht auf dem Rasen nimmt dem Gras Licht und Luft. Das abgeräumte Laub kommt direkt auf die Beete, unter die Hecke oder in den Kompost — so wird auch das Räumen sinnvoll.
Der Rechen, nicht der Laubbläser, ist dabei die bessere Wahl. Gebläse und besonders Laubsauger erfassen Kleintiere und Insekten, die im Laub überwintern.
Einfach anfangen
Bevor du also den nächsten Sack füllst: Schau, wo in deinem Garten gerade ein Beet offen liegt, oder wo eine Ecke Platz für einen Laubhaufen hat. Das Material liegt schon da.