Anfang Juni werden Blattläuse in vielen Gärten sichtbar. Der erste Impuls ist oft: spritzen. Dabei kann es sich lohnen, kurz innezuhalten und genauer hinzuschauen.
Auf demselben Rosenstrauch, auf dem die Blattläuse sitzen, ist vielleicht schon ein Marienkäfer unterwegs. Oder seine Larve — die frisst täglich hunderte Blattläuse.
Das Prinzip dahinter ist eine der Grundhaltungen in der Permakultur: beobachten, bevor man eingreift. Die Natur hat in vielen Situationen bereits eine Antwort parat.
Drei Nützlinge, die jetzt aktiv sind und die es lohnt zu erkennen:
Marienkäfer und seine Larve
Ein ausgewachsener Marienkäfer frisst täglich rund 50 Blattläuse. Noch eindrücklicher sind die Larven — grau-orange gefleckte, krokodilförmige Tiere, die in ihrer Entwicklungsphase hunderte davon vertilgen. Sie sehen ganz anders aus als der bekannte Käfer, leisten aber einen grossen Teil der Arbeit.
Marienkäfer überwintern in Laub, Reisig und Gehölzspalten. Wer im Herbst Laubhaufen im Garten lässt und Totholzstrukturen stehen lässt, gibt ihnen Unterschlupf für die nächste Saison.
Florfliegen-Larve: Der «Blattlauslöwe»
Florfliegen sind zarte, grünliche Insekten, die man oft an Fensterscheiben findet. Ihre Larven haben einen passenden Spitznamen: Blattlauslöwe. Eine einzige Larve kann bis zu 300 Blattläuse oder Thripse vertilgen.
Erwachsene Florfliegen ernähren sich von Nektar und Honigtau — sie brauchen also Blühpflanzen im Garten. Dost (Oregano wild), Schafgarbe und Fenchel sind als Anlock-Pflanzen besonders geeignet.
Wildbienen: Mehr Vielfalt als man denkt
In der Schweiz leben über 600 Wildbienenarten. Unter günstigen Bedingungen können 50 bis über 100 Arten in einem einzigen Privatgarten vorkommen. Die meisten stechen kaum — und bestäuben nebenbei den ganzen Garten.
Etwa 20 Prozent der Wildbienenarten nisten in Hohlräumen: in hohlen Stengeln, Totholz oder Nisthilfen aus Bambusröhren und Schilfhalmen. Die übrigen bevorzugen offene Erdflächen, Sandflächen oder Lösswände.
Für ein durchgehendes Blütenangebot sollte von Februar bis Oktober immer etwas blühen — von Hasel und Krokus im Vorfrühling bis zu Salbei, Thymian und Linde im Sommer. Weissdorn, Dost und Wildes Rübli gelten als besonders geeignete Anlock-Pflanzen für Nützlinge und Bestäuber.
Das Permakultur-Prinzip dahinter
«Beobachten statt sofort eingreifen» ist eines der Kernprinzipien in der Permakultur. Das bedeutet nicht, nichts zu tun — sondern zuerst zu verstehen, was im System bereits passiert. Wer die Akteure kennt, die im eigenen Garten unterwegs sind, kann gezielt unterstützen statt stören.
Im Berner Oberland, Anfang Juni
Anfang Juni sind Marienkäfer, Florfliegen und Wildbienen in Spiez, Thun und dem Berner Oberland auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität. Es ist ein guter Moment, einmal langsam durch den Garten zu gehen und zu schauen, was sich bewegt.