P09 – Dörfli 147

Dörfli 147

Kundenprojekt Familie Sommerhalder

Ein neuer Lebensort in Heiligenschwendi – mit Garten, Quelle, Aussicht und Zukunft

Manche Orte tragen ihr Potenzial nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Atmosphäre. Das Kundenprojekt für die Familie Sommerhalder in Heiligenschwendi war genau so ein Fall: ein neuer Lebensort auf über 1000 Metern Höhe, mit Weite, Hanglage, Quelle, Wiesen, Gehölzen und viel Raum für Entwicklung. Bereits auf der ersten Seite des Ideenkonzepts wird dieser Ort als Zuhause mit besonderer Lage und grossem Gestaltungsspielraum sichtbar.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus diesem Platz schrittweise ein zukunftsfähiges und stimmiges Permakultur-System entstehen kann – eines, das nicht nur Nahrung liefert, sondern auch Erholung, Schönheit, soziale Einbindung und langfristige Resilienz. Das Konzept ist darum sehr umfassend aufgebaut: Es behandelt neben der Einführung in die Permakultur auch Bedürfnisse und Ressourcen, Funktionsanalyse, Zonen- und Sektorenplanung sowie konkrete Gestaltungselemente wie essbare Sträucher, Bäume, Magerwiese, Hochbeete, Pilzgarten, Totholz, Staudenbeet, Kräutergarten, Steingarten, Kompost, Orte der Erholung und soziale Einbindung.

Gerade die Funktionsanalyse zeigt die besondere Qualität dieses Projekts. Auf Seiten der Menschen wurden unter anderem Autarkie, vegetarische und biologische Selbstversorgung, Ästhetik, Ergonomie, Erholung, Nachhaltigkeit und sogar eine mögliche Gästebetreuung genannt. Auf Seiten des Ortes standen dem wertvolle Ressourcen gegenüber: Quelle, unbenutztes Güllenloch, Sonne, Biomasse, Garten, kleine Obstwiese, alter Hühnerstall, Wiese, Waldstück, Dachziegel und reichlich Platz. Das ist permakulturell spannend, weil hier nicht auf Mangel, sondern auf vorhandene Fülle geschaut wird.

Besonders stark fand ich an diesem Projekt, dass nicht nur klassische Gartenelemente gedacht wurden, sondern auch grössere Zusammenhänge. Die Magerwiese etwa wurde als artenreicher Lebensraum mit hohem ökologischem Wert beschrieben – nicht einfach als „weniger gemähte Fläche“, sondern als Ort für Biodiversität, Bestäubung, Naturerleben und Schönheit. Auch der Steingarten wurde nicht als steriler Schotterbereich verstanden, sondern als bepflanzte, klimaangepasste Randzone mit Funktion und Charakter. Ebenso wurden essbare Sträucher, Obstbäume, Kräuter, Kompost und Totholz als Bestandteile eines zusammenhängenden Systems betrachtet, in dem jedes Element mehrere Aufgaben übernimmt.

Ein weiterer berührender Aspekt des Projekts ist das Thema Ort der Erholung. Im Konzept wird bewusst unterschieden zwischen einem abstrakten „Kraftort“ und echten Plätzen, die im Alltag wohltuend, warm, ruhig und einladend wirken. Besonders die Ecke Richtung Süden mit Quelle und Wintersonne sowie der Bereich beim alten Güllenloch wurden als Orte mit grossem Potenzial beschrieben – etwa für Aussicht, Aufenthalt, Grillplatz oder einen liebevoll gestalteten Bereich auch für künftige Gäste. Damit wird deutlich: Permakultur meint nicht nur Nahrungsproduktion, sondern auch Lebensqualität.

Spannend ist auch, dass das Projekt die soziale Dimension mitdenkt. Im Kapitel zur sozialen Einbindung werden Ideen wie Kurse, Führungen, Kräuterwanderungen, Pflanzen-Lehrpfade oder kleine Produkte für Hofladen und Gäste erwähnt. Dadurch wird der Garten nicht nur als privater Rückzugsort verstanden, sondern auch als möglicher Lern- und Begegnungsraum.

Dieses Kundenprojekt zeigt für mich sehr schön, worum es in der Permakultur im Kern geht: einen Ort nicht einfach zu nutzen, sondern ihn zu lesen, zu verstehen und so weiterzuentwickeln, dass Mensch und Landschaft sich gegenseitig stärken. Oder etwas einfacher gesagt: nicht bloss schön wohnen, sondern mit dem Ort zusammenwachsen.